Mangelernährung in Krankenhäusern

Fachgerechte Ernährungstherapie gefordert

Das Wirtschaftsmagazin Plusminus thematisierte Ende September 2017 in einem Beitrag die Mangelernährung in Kliniken. Darin wird kritisiert, dass in vielen Kliniken die Ernährungsmedizin kaum eine Rolle spielt.

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Pro Jahr stirbt ein Viertel der etwa 200.000 Krebspatienten in Deutschland an der Mangelernährung und nicht am Tumor selbst. Schon seit Langem kritisiert der Verband der Diätassistenten – Deutscher Bundesverband (VDD) die unzureichende Versorgung. Die Deutsche Krebsgesellschaft bezeichnete die Entwicklung regelrecht als "Missstand".

 

Krebsforscher sprechen von einem Skandal

Positive Beispiele von funktionierenden interdisziplinären Ernährungsteams gibt es allerdings auch, wie etwa im Münchner Klinikum Großhadern. In den meisten anderen Krankenhäusern sind Fallbesprechungen, die in der dortigen Onkologie stattfinden, unbekannt. Ernährungsscreenings fehlen vielfach. Infolgedessen ist die Diagnostik von Mangelernährung absolut unzureichend. In der interdisziplinären Zusammenarbeit in Kliniken sowie an den Schnittstellen von Pflege, Ärzteschaft, Ernährungstherapie, Küche und Apotheke gibt es große Defizite. Patienten sind die Leittragenden. Sie werden vermutlich gar nicht diagnostiziert und daher auch nicht behandelt. Die Jenaer Krebsmedizinerin Prof. Dr. Jutta Hübner bemängelt, dass die Ernährungsmedizin in der Medizinerausbildung viel zu kurz komme, Mangelernährung sei an der Tagesordnung.

Die ernüchternde Bilanz des Medienberichts: Es fehlen Arbeitshilfen zur Bewertung und Einschätzung von Mangelernährung (Assessment Tools). Es sei notwendig, Reibungsverluste zu vermeiden und die Verständigung an den Schnittstellen zu optimieren. Ebenso erforderlich sei es, das Fachwissen auszubauen und mehr Personal einzustellen.  Ärzte, Krankenhausleitungen und Politik verharmlosen das Problem und unternehmen nichts. Der Beitrag hebt aber auch die Rolle der Diätassistenten als Spezialisten für Ernährungstherapie im Krankenhaus hervor.

Richtige Ernährung ausschlaggebend für Therapieerfolg

Schon seit etlichen Jahren thematisiert der VDD das Problem Mangelernährung und fordert systematische Ernährungsscreenings. Des Weiteren hat der Verband mehrfach darauf hingewiesen, dass Diätassistenten und interdisziplinäre Ernährungsteams in Kliniken viel zu selten sind. Studien zeigen, dass bei Fällen, wo die Ernährungsmedizin in die Therapie integriert ist und Diätassistenten beteiligt sind, die Liegezeiten verringert sowie die Lebensqualität der Patienten wirkungsvoll verbessert werden.