Krankenhausessen

Diätassistenten in Kliniken verhindern Mangelernährung

Ein flächendeckendes Ernährungsscreening sowie die Etablierung von Ernährungsteams könnten in Krankenhäusern Mangelernährung bei Patienten vermeiden, weist Verband der Diätassistenten (VDD) hin.

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In den meisten Krankenhäusern steht es um die Ernährung der Patienten schlecht. Das Problem Mangelernährung scheint mittlerweile in den Medien angekommen zu sein. Einem aktuellen Bericht des WDR zufolge sind 25 Prozent der Patienten bereits bei der Einweisung in die Klinik mangelernährt.

Risiko für Patienten

„Patienten mit Mangelernährung haben eine höhere Komplikationsrate, haben schwerere Komplikationen, haben eine gestörte Immuntoleranz. Sie liegen länger im Krankenhaus und haben leider auch eine höhere Sterblichkeit“, beschreibt Prof. Dr. Christian Löser, Chefarzt an den DRK-Kliniken Nordhessen in Kassel, das Problem.

Laut Dr. Löser sterben 50 Prozent der Krebspatienten nicht an der Krankheit, sondern an den Folgen der Mangelernährung. Rund die Hälfte der Patienten verlässt zudem das Krankenhaus in einem schlechteren Ernährungszustand als bei der Einlieferung. Dramatisch sind die Folgen – nicht nur für die Patienten, sondern auch für das Gesundheitssystem. Aktuell liegt die Kostenbelastung bei etwa 9 Milliarden Euro pro Jahr, heißt es in dem WDR-Bericht. Eine fachgerechte Bekämpfung der Mangelernährung wäre laut Dr. Löser sogar kosteneffizient.

Mangelernährung ist für den VDD ein unhaltbarer Zustand, der zu verhindern wäre. Seit langem fordert der Verband die Etablierung von systematischen Ernährungsscreenings und ein gezieltes Assessment in Kliniken. Patienten können nur so entsprechend ihres jeweils individuellen Bedarfs versorgt und lebensbedrohlicher Gewichtsverlust und Mangelernährung verhindert werden. Professionelle Ernährungsteams in den Kliniken und die Beratung durch Diätassistenten sind jedoch dafür notwendig.

Falsche Ernährung verlängert Heilungsprozess

„Die Ernährungstherapie ist längst nicht ausreichend im stationären und auch nicht im ambulanten Sektor verankert“, sagt VDD-Präsidentin Uta Köpcke. „Gerade diese Patientengruppen, z. B. Krebspatienten oder auch hochbetagte, schwerkranke Patienten, können nicht auf eigene Initiative aktiv werden. Wir brauchen dringend ein Umdenken und eine politische Lösung, wie die Ernährungstherapie einen festen Platz im Rahmen der Behandlung bekommt.“

Für diese Ernährungstherapie sind Diätassistenten ausgebildet. „Mangelernährung ist unabhängig vom Body Mass Index (BMI) und daher nicht leicht zu erkennen. Der ungewollte Gewichtsverlust ist ein starkes Leitsymptom, aber nicht der alleinige Faktor für die Diagnose Mangelernährung“, gibt Uta Köpcke zu bedenken.

In einem Klinik-Ernährungsteam könnten Diätassistenten dazu beitragen, dass Mangelernährung verhindert wird, dieser Zustand sich verbessert und den Patienten Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie sie gegensteuern können. Das Bewusstsein der Verantwortlichen in Kliniken muss sich jedoch dazu grundlegend ändern. Mehr als 95 Prozent der Krankenhäuser haben kein Ernährungsteam. Es gibt noch viel zu wenig Stellen für Diätassistenten in den Kliniken. Im Interesse der Patienten und letztlich auch zur Entlastung des Gesundheitssystems muss sich daran dringend etwas ändern.