März, 2017

Frima International AG

Mit Kurs auf Expansion: GV-kompakt schaute bei Frima hinter die Kulissen und erfuhr, wie aus Fritsch Maschinen ein Weltkonzern wurde.
Fotos: K. Reinhardt

Frima steht seit gut zehn Jahren in der Gemeinschaftsverpflegung und Gastronomie für ein spezielles Produkt. Das multifunktionelle Gargerät namens „VarioCookingCenter“ soll herkömmliche Kipper, Kessel, Herde, Druckgarbraisieren und Fritteusen ersetzen und dem Küchenchef bei mehr Flexibilität gleichzeitig Ressourcen sparen helfen. Es ist seit 2005 auf dem Markt und trägt seitdem zu einem deutlichen Wachstum bei. Aktuell beschäftigt das Unternehmen ca. 160 Mitarbeiter an vier internationalen Standorten. Produziert wird im französischen Wittenheim, im Elsaß, für die ganze Welt. Da die Kapazitätsgrenze nach der Einführung des „VarioCookingCenter“ 112L im Jahr 2016 erreicht war, zogen die Vorstände die Konsequenz. „In Hinblick auf das weitere Wachstum haben wir uns entschlossen, unsere Produktionskapazitäten mit einer Erweiterung des bestehenden Standortes zu verdoppeln“, erläutert der technische Vorstand Reinhard Waßmus. Durch eine neue Produktionshalle wurden diese um 2.500 Quadratmeter auf insgesamt 4.300 Quadratmeter erweitert. Es entstanden eine zusätzliche Montageinsel und modernste Logistik. Seit dem 13. Juni 2016 wird in der neuen Struktur produziert.

Von Fritsch Maschinen zum Weltkonzern

Frima wurde im Jahr 1938 in Wittenheim gegründet. Hervorgegangen ist das Unternehmen aus der Firma Fritsch Maschinen, wovon sich auch der heutige Name ableitet. Anfangs war Frima ein Partner von Rational für den Vertrieb von Kombidämpfern im französischen Markt und hat ursprünglich selbst riesige Bratpfannen für Großkantinen hergestellt. Es wurde im Jahr 1992 als zweite Marke in die Rational AG integriert. Während die Tochtergesellschaft als Spezialist für das „VarioCooking- Center“ auftritt, mit dem multifunktionales Garen mit Kontakthitze möglich ist, steht Rational mit dem Kombidämpfer für die indirekte Wärmeübertragung. Am Standort Wittenheim befinden sich heute neben dem Produktions- und Lieferprozess sowie der mehr als 20 Mitarbeiter starken Produktentwicklung von Frima auch das Qualitätsmanagement, der strategische Einkauf, der internationale Service und die französische Vertriebsgesellschaft.

Rundgang durch das Werk

Beim Rundgang durch die Fertigung kann der Besucher nicht auf Anhieb erfassen, dass hier modernste Küchentechnik produziert wird. Die versteckt sich in den Bauteilen und dem Know-how der Mitarbeiter. Eine erste Überraschung beim Rundgang: Es gibt kein Lager. Der Standort bekommt alle Teile von europäischen Partnern geliefert. Von allen Artikeln, die benötigt werden, gibt es optimierte Bestände. Die Montage der einzelnen Komponenten erfolgt in Wittenheim als reine kundenauftragsbezogene Produktion. Mit dem implementierten Kanban system wird sichergestellt, dass die Menge der jeweiligen Einzel teile innerhalb eines bestimmten Zeitraums sicher wieder verfügbar ist. Gemäß der klaren Kundenorientierung und des durchgängigen Prozessgedankens ist jeweils genau ein Mitarbeiter für ein bestimmtes Gerät verantwortlich, das er von Anfang bis Ende vom Chassis bis zum Bedienpanel aufwärts zusammenbaut. Eine spezifische Gerätemontage-Dokumentation nennt Abweichungen vom Standardgerät. Insgesamt existieren rund 1.000 verschiedene Varianten des „VarioCookingCenters“. Die kleinen Geräte sind die aufwändigsten: Fast einen gesamten Arbeitstag baut ein Monteur daran, während die großen in kürzerer Zeit produziert sind. Der Name des jeweiligen Mitarbeiters steht auf dem Gerät und dokumentiert so die Identifikation mit seinem Produkt. Dieses besteht aus knapp 600 Einzelteilen. Auf eine Komponente des multifunktionalen Gargeräts ist man bei Frima besonders stolz. Das ist der Garraum mit seinem innovativen Heizsystem. Der Tiegelboden besteht aus Frima-Therm, einer patentierten, speziellen Mate rialmischung. Die darin integrierte netzartige Heizstruktur erlaubt zusammen mit intelligenten Sensoren die präzise und flexible Temperaturregelung einzelner Platten, die vom Gerät selbst übernommen wird, sodass die Energie punktgenau nur dort eingesetzt wird, wo sie auch benötigt wird. Schließlich wird das Gerät getestet und in Betrieb genommen. Danach wird es gereinigt und verpackt. Die ausschließliche Produktion auf Kundenauftrag ist äußerst effizient. So dauert es nur zwei Tage, bis ein Gerät versandfertig ist. „Wir haben nicht wenige Aufträge bekommen, weil wir stets zuverlässig liefern können“, berichtet Vorstandsvorsitzender Michael Fuchs. Die fertigen „VarioCookingCenter“ – ihr Gewicht reicht von 98 Kilo gramm bis zu 170 Kilogramm beim 311er-Modell – werden auf LKW und in Container ver laden.

Bis zu 30 Geräte können pro Tag montiert werden. Im Jahr 2016 haben insgesamt 1.000 Geräte die Fertigung verlassen. Durch die flexiblen Arbeits zeiten können Stückzahlschwankungen im Bereich bis zu 100 Prozent aufgefangen werden. Der Service wird ausschließlich über Partner sichergestellt, der Verkauf erfolgt ebenso über den Fachhandel. An den Vorgängern des „VarioCookingCenters“ wurde schon in den 1980er Jahren getüftelt. 1985 hat Frima das erste multifunktionale Gargerät auf Basis von Wärmeübertragung durch Kontakthitze erfunden und es seitdem beständig weiterentwickelt.

Produkt mit Erklärungsbedarf

Produktionsstart für die neue Gerätegeneration der „VarioCooking- Center“ war am 2. Mai 2005 in Wittenheim. Anfangs wurden vor allem die größeren Geräte für die Gemeinschaftsverpflegung produziert, aber auch die kleineren Varianten mit einem Fassungsvermögen ab 28 bzw. 50 Liter, die in der Gastronomie steigende Nachfrage erfahren. Mehr als 25.000 „VarioCookingCenter“ befinden sich bislang im Markt. „Wenn wir die Geschwindigkeit beibehalten, müssten wir diese Zahl in fünf Jahren verdoppelt haben“, so Michael Fuchs. Da Profiküchen immer kleiner werden, sind auch Geräte wie das 112T gefragt, das besonders platzsparend ist und bis zu vier Geräte ersetzen kann, dabei aber die gleiche Funktion wie die größeren „VarioCookingCenter“ hat. „Wir merken immer wieder, wenn wir einen neuen Markt für uns eröffnen, dass wir sehr oft die Ersten sind, die mit einem multifunktionalen Gargerät auftauchen“, berichtet der Vorstand. Teil des Geschäftes ist bei Frima immer auch, den Nutzen des multifunktionalen Gargerätes für den Anwender deutlich zu machen. In der erweiterten Produktion sind dafür zwei moderne Trainingscenter eingerichtet worden, die über zwei voll ausgestattete Küchen inklusive Meetingraum und Kameras verfügen. Derart ist es möglich, Kunden, Fachhändler, Planer und Mitarbeiter zu trainieren und die Geräte in Aktion zu zeigen. Per Bildschirm kann so eine größere Gruppe den Garvorgang im Tiegel verfolgen. Auch Kurzfilme, Erklärvideos und Webinare sind verfügbar bzw. geplant.

Unternehmensphilosophie

Der Anspruch ist hoch bei Frima. Schließlich gilt das gleiche Leitbild wie bei Rational: „Wir sind ein Gewinnerteam“, so Michael Fuchs, der sich von der Umstellung der unternehmensinternen Abläufe langfristige Verbesserungen erwartet. Gerade mal 60 der insgesamt 160 Mitarbeiter sind in der Technik beschäftigt. „Das zeigt, wie vertriebslastig wir sind“, so Michael Fuchs. Es sei Firmenphilosophie, dass man beim Kunden ist. Diese scheint Wirkung zu zeigen. Seit der Einführung des „VarioCookingCenters“ verzeichnet Frima ein nachhaltiges Absatzwachstum im zweistelligen Prozentbereich pro Jahr. Charakteristisch für das Unternehmen sind weiterhin die beständige Prozessoptimierung sowie flache Hierarchien.

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