August, 2017

Frischdienst Union GmbH

Zuverlässig und flexibel: GV-kompakt schaute bei der Frischdienst Union hinter die Kulissen und erfuhr, wie das ausgeklügelte Logistikkonzept funktioniert.
Fotos: K. Reinhardt, Frischdienst/Sara Gewohn, K. Reinhardt, Frischdienst/Sara Gewohn

Zu den ganz Großen der Branche zählt die Frischdienst Union mit ihren 90 Millionen Euro Jahresumsatz nicht. Aber der nationale Lebensmittelgroßhandel mit Sitz in Versmold hat ein ausgeklügeltes Logistikkonzept und kann gerade dank seiner Größe mit Flexibilität, Qualität und Preis beim Kunden punkten. Die richtige Ware zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort zu bringen – darauf hat sich der Lebensmittelgroßhändler mit dem Slogan „Convenience für Profis“ spezialisiert. „Wir wollen die Zuverlässigsten in Deutschland in der Zustellung sein“, sagt Geschäftsführer Thomas Knaack. Das Liefergebiet umfasst die gesamte Republik und erstreckt sich bis nach Luxemburg und Österreich. Der Spezialist mit 255 Mitarbeitern bietet dem Küchenleiter in der Gemeinschaftsverpflegung fast 4.000 verschiedene Artikel von frischen Lebensmitteln über Tiefkühlkost in allen Conveniencestufen von roh bis fertig gegart an. Bei den Zustellzeiten ist das mittelständische Unternehmen besonders flexibel und gut aufgestellt. „Die letzte Meile fahren wir selbst“, sagt Thomas Knaack. Eigene Mehrkammerfahrzeuge sorgen für die Zuverlässigkeit. Die Ware wird auf Wunsch von den festangestellten Fahrern bis in Tiefkühlhaus getragen. Zu den Kunden zählen Betriebskantinen, Krankenhäuser, Seniorenheime, Schulen und Mensen auch 1.500 Metzger in Süddeutschland sowie Bäckereiketten. Das Sortiment reicht von Fleisch, Wurst, Geflügel, Fisch über Gemüse und Molkereiprodukte bis hin zu Backwaren. Dazu gehören auch regionale Spezialitäten und Biohähnchen sowie -schweinefleisch. „Wir bieten nachhaltig hergestellte Lebensmittel aus Überzeugung an“, so Geschäftsführer Thomas Knaack. Es lasse sich aber schon beobachten, dass sich MSC- oder ACS-zertifizierte Ware im Fischbereich zum Standardentwickele, so Thomas Knaack. Beim Fleisch gebe es allerdings große Preisunterschiede, so dass Bio nur einen Randbereich abdeckt, während beim Fisch zu beobachten sei, dass sich MSC- und ASC-zertifizierte Ware zum Standard entwickelt. Insgesamt ist der in der Vergangenheit hohe Fleischanteil rückläufig, während der Anteil vegetarischer Produkte steigt. Non-Food-Artikel liefert die Frischdienst Union nicht. Sie arbeitet gerne mit kleinen und mittelständischen, handwerklichen Produzenten zusammen, deren Produktion auch mehr Individualität ermöglicht. Man habe immer den Spagat zwischen Diversifizierung und Standardisierung zu bewältigen, so der Geschäftsführer. Jeder Kantinenbetreiber steht mittlerweile in der Konkurrenz zu anderen gastronomischen Angeboten. Kalte und warme Snacks für die Zwischenverpflegung hätten zuletzt das Sortiment ergänzt, so Thomas Knaack.

Zielgruppenspezifische Angebote

Die Frischdienst Union ist 1991 aus der Nölke Vertriebsgesellschaft hervorgegangen, die in unmittelbarer Nähe Wurst und Geflügel herstellt und vertreibt und auf der Suche nach einer neuen Zielgruppe war. Das neu gegründete Unternehmen hat zunächst das Streckengeschäft übernommen und Ware für den Lebensmitteleinzelhandel bis ins Regal geliefert. Zum Sortiment gehörten Tiefkühlkost, Wurst, Schinken sowie Frischgeflügel. Da dann die Zahl der Metzgereien sank, richtete es sich ab dem Jahr 2005 verstärkt auf den Großverbraucherbereich aus. Seitdem gibt es alljährlich ein Trendthema, zu dem ein Sortimentskonzept erarbeitet wird. Den Beginn machte das Konzept „Wir toppen jeden Salat“, heute bekannt unter dem Namen „ExtraBlatt“. Im Jahr 2012 lautete es „VegeTarisch“. Zuletzt wurde „SnackCheck – beim Bäcker für Snacker“ erarbeitet, das unterschiedliche Produkte für belegte Brötchen und Sandwiches sowie fix und fertig gegarte, warme Gerichte umfasst. Es gibt zwölf verschiedene Konzeptfolder,in denen Angebote für einzelne Zielgruppen mitsamt Empfehlungen praktisch für den Küchenleiter aufbereitet sind.

In Versmold und an 26 Logistikstandorten

Neben der Verwaltung und dem Vertrieb befindet sich in Versmold auch das Zentrallager für Tiefkühlkost sowie Frischeartikel, das insgesamt ca. 2.500 Quadratmeter umfasst. Hier wird von Montag bis Freitag über zwei Tore Ware angeliefert. Die Mitarbeiter des Dienstleisters kommissionieren sowohl Kartons als auch stückgenau in der Zeit von 7 bis 17 Uhr Artikel gemäß der einzelnen Bestellungen. Bundesweit gibt es 26 gut verteilte Logistikstandorte als Umschlagplätze, von denen die in Versmold auf Paletten zusammengestellte Ware von festangestellten Fahrern kundenspezisch sortiert und ausgeliefert wird. „Wir haben weitestgehend eigene Fahrer. Damit fahren wir sehr gut“, berichtet Logistikleiter Nord- West Timo Mathejczuk. „Der Service ist uns am wichtigsten. Das zeichnet uns draußen aus“, sagt er weiter. Dafür unterhält die Frischdienst Union auch 94 Fahrer für die Touren und eine eigene Fahrzeugflotte. Die Ware wird zwei Tage vor dem Liefertermin angefordert und im Zentrallager von einem Dienstleister auf verschiedene Arten kommissioniert und für die Tour gepackt, die per Lastwagen an den Logistikstandort gelangt. Dort stehen die Fahrer der Frischdienst Union in den frühen Morgenstunden bereit und bringen die Ware im Laufe des Tages in die Betriebe der Gemeinschaftsverpflegung. Zur Einhaltung der Kühlkette sind die Lastwagen immer vorgekühlt. Bei Tiefkühlware auf minus 22 Grad Celsius, bei Frischwaren auf plus zwei Grad Celsius. Vor der Beladung misst der Fahrer die Temperatur jeder Palette per Handthermometer. „Wenn wir Fahrzeugausstattung zusammenstellen, geschieht das immer in Absprache mit dem Fahrer und auch in Abhängigkeit der Kundenstruktur in dem Gebiet“, erläutert Timo Mathejczuk. Features wie verschieb- und klappbare Trennwände erleichtern das Geschäft.

Nah und langfristig dran an Lieferanten und Kunden

In der Regel bestellen Kunden die Ware 24 Stunden im Voraus. Dabei haben sie verschiedene Möglichkeiten. Neben dem zuletzt eingeführten Onlineshop kontaktieren die Betriebe entweder den zuständigen der 41 Accounter, der persönlich vorbeikommt, oder bestellen seit 2004 bei der für sie zuständigen Telefonverkäuferin. „Wir legen Wert darauf, dass jeder Kunde bei uns seine persönlichen, festen Ansprechpartner hat“, erklärt Sara Gewohn aus dem Marketing. Diese festangestellten 17 Mitarbeiterinnen pflegen den engen Kontakt zum Kunden und nehmen die Bestellungen entgegen. Jede Woche rufen sie einen bestimmten Kundenstamm an. In der Regel den gleichen. „Der Kunde wartet meist schon auf unseren Anruf“, berichtet Telefonverkäuferin und Teamleiterin Birgit Lüffe. Susanne Adolphsen, die Leiterin der Qualitätssicherung, sorgt dafür, dass die Produkte auch den hohen Qualitätsstandards entsprechen. Die 200 Lieferanten, alle IFS- oder vergleichbar zertifiziert, werden jährlich hinsichtlich ihrer Qualität bewertet. Allein 30 Prozent davon befinden sich im westlichen Deutschland. Nur ein Fünftel, insbesondere Spezialitäten, kommt über deutsche Importeure aus dem Ausland. Regelmäßig vor der Einführung neuer Produkte finden Verkostungen statt, in die Vertreter von Marketing, Einkauf, Qualitätssicherung, Vertrieb und der Geschäftsführer eingebunden sind. Künftig sollen diese in der eigenen Küche stattfinden, die noch am Standort gebaut wird. Die Frischdienst Union ist seit dem Jahr 2008 biozertifiziert, seit 2010 IFS-zertifiziert und seit 2011 MSC-zertifiziert und seit Kurzem auch ASCzertifiziert und kann daher auch erstmals entsprechende Produkte anbieten.

Auf Wachstumskurs

Die Frischdienst Union konnte im letzten Jahr das 25-jährige Unternehmensbestehen feiern. Generell ist Thomas Knaack der Überzeugung, dass es für kleine regionale Großhändler schwer wird. „Wir sind daher weiter auf der Suche nach Beteiligungsmöglichkeiten“, sagt er und verdeutlicht den Zwang zur Größe: Genauso wie unserer Lieferanten wachsen, müssen auch wir mitwachsen, um auf Augenhöhe zu verhandeln. Das gelte auch für die Beziehung zu großen Caterern. So haben die Versmolder die WHK Foodservice GmbH im Januar dieses Jahres in die Unternehmensgruppe aufgenommen. Erklärtes Ziel ist es, zu den Top 10 des Zustellhandels im GV-Markt zu gehören. Für die Kundenpflege tut die Frischdienst Union einiges. In Notfällen kann der Kunde noch am Vormittag für den nächsten Tag bestellen. „Es gibt bei uns immer einen Plan B“, sagt Sara Gewohn vom Marketing.

Hier können Sie sich den Beitrag downloaden: