September, 2017

Frischli Milchwerke GmbH

Die Milch bleibt unsichtbar: GV-kompakt schaute bei Frischli hinter die Kulissen und erfuhr, wie das die Milchprodukte ihren Weg zum Endkunden finden.
Fotos: B. Lehmann

An 365 Tagen im Jahr kommen rund um die Uhr LKWs mit Milch im Frischli-Stammwerk Rehburg-Loccum an. 50 bis 60 Fahrzeuge sind es pro Tag. Sie ordnen sich in vier Abtankspuren ein. Nachdem das Labor bestätigt hat, dass die Ware einwandfrei ist, wird die frische, weiße Fracht gelöscht. Nur 30 Minuten dauert der GPSgesteuerte Vorgang. Dann gehen die Laster auf die nächste Tour und die Milch fließt in die Verarbeitung – etwa 1,5 Millionen Liter jeden Tag!

Landwirte im Umkreis von 50 Kilometern
An drei Standorten in Deutschland produzieren die inhabergeführten Frischli Milchwerke derzeit Milch und Milchprodukte. Im niedersächsichen Stammbetrieb werden aus der Milch frisch vom Bauern H-Milch, Milchpulver, Sahne und hochwertige Convenienceprodukte. Im bayerischen Eggenfelden entstehen Portionspackungen zur Kaffeeveredlung und Walzenvollmilchpulver. Der Betrieb in Weißenfels in Sachsen-Anhalt stellt wiederum H-Milch, Speisequark und frische Desserts, darunter auch Produkte der ostdeutschen Traditionsmarke Leckermäulchen, her. Landwirte im Umkreis von höchstens 50 Kilometern zum jeweiligen Standort liefern die Frischli-Milch. Aktuell kooperiert das Familienunternehmen mit rund 1.000 Milchbauern in Niedersachsen und Bayern und mit knapp 90 in Sachsen-Anhalt. Robert Schröder ist gelernter Koch. Seit fünf Jahren arbeitet er bei den Frischli Milchwerken. Er ist insbesondere für Neuentwicklungen und Produktoptimierungen im GV-Bereich zuständig. Der Entwickler im Stammbetrieb Rehburg-Loccum nimmt mich mit auf den Weg der Milch von der Anlieferung über die Aufbereitung, Verarbeitung bis hin zur Verpackung, Lagerung und Auslieferung. Das Verblüffende: Die Milch bleibt dabei stets unsichtbar.

Stahlblinkende Tanks und Rohrsysteme
Stahlblitzende Tanks und viele 100 Meter hygienische Rohrleitungssysteme verbergen und schützen das sensible Lebensmittel selbstverständlich vor Verunreinigung oder Belastung. Erste Station der Milch nach dem Abtanken sind drei Entrahmungsseparatoren, die die Rohmilch in Magermilch und Rahm trennen. 20.000 bis 25.000 Liter Milch laufen hier pro Stunde durch. Gleich daneben wird die Milch erstmals auf mindestens 72 Grad Celsius erhitzt. Eine einzige Person kann die hochmoderne Anlage steuern.

Zehn-Tonnen-Fässer und Reinraumbereiche
Dickbauchige, stählerne Frischli-Fässer markieren den Übergang in die Produktion. „Das ist unser kleiner Anmischbereich für Produkte bis zehn Tonnen“, erläutert der Leiter Produktentwicklung Robert Schröder. „Hier produzieren wir verschiedene Sorten Pudding.“ Weiter geht es zur Herstellung saurer Milchprodukte, beispielsweise mit Fruchtanteil. Gerade wird eine Charge für den Export nach Asien abgefüllt. Ein paar Schritte weiter steht eine Abfüllanlage für Ein-Liter-Verbundverpackungen, die auf den ersten Blick nichts Außergewöhnliches kennzeichnet. Doch Robert Schröder erklärt ihren Vorzug: „Die Anlage hat eine hohe Füllflexibilität. Es können sowohl hochviskose Produkte, wie Pudding und Saucen, als auch normale Milch ohne besonderen Umbau gefüllt werden.“ Und während die gefüllten Kartons in langer Reihe auf dem Band vorbeiziehen, lenkt Schröder die Aufmerksamkeit bereits auf das nächste technische Wunder, den Reinraumbereich der neuen Eimeranlage. Hier gelangen vor allem süße Desserts hocherhitzt unter absolut sterilen Bedingungen in die Fünf- und Zehn-Kilogramm-Behälter. Eine etwas kleinere Anlage für Desserts mit Fruchtanteil, wie z. B. das Saisonprodukt Birne-Quitte-Mascarpone-Creme, arbeitet ebenfalls mit dem Reinraumbereich. „Die Ware muss absolut keimfrei in den Behälter“, begründet der Entwickler den Einsatz der hochmodernen Technik. Den Unterschied zwischen Combibloc und Tetrapak vermag nur der Fachmann zu erkennen. Beide Anlagen befüllen 0,5- und Ein-Liter-Kartons. Die zwei Combibloc- Anlagen bei Frischli schaffen jeweils pro Stunde etwa 12.000 Liter Milch, Sahne, Buttermilch oder Saucen in die Verpackungen zu füllen. Auf den fünf Tetrapak-Anlagen nebenan fließen vor allem Milch und Kakao für den Einzelhandel in die Kartons – ohne dass man von außen auch nur ein Tröpfchen sieht. Auf Paletten gepackt kommen die Produkte ins Lager oder sofort in die Kommissionierung und anschließend in die Auslieferung.

40-Meter-Turm für die Milchtrocknung
Vorbei am werkseigenen Labor mit rund 30 Mitarbeitern – mehr als die Hälfte davon sind Frauen – einer Werkstatt, in der unter anderem zehn junge Leute zu Mechatronikern ausgebildet werden, und einem Kesselhaus, kommen wir zu riesigen Sahnetanks mit einem Fassungsvermögen von je 90.000 Litern. Sanft bewegen von außen gut erkennbare Rührwerke die Sahne, damit sie ihre Qualität behält. Noch einige Schritte und wir sind wieder auf dem Werkshof an der vierspurigen Abtankanlage, die soeben ein leerer Milchlaster verlässt. Robert Schröder weist am Ende der Führung noch auf den erst 2015 in Betrieb genommenen 40 Meter hohen Trockenturm hin, der verborgen hinter heller Fassade, natürlich mit den stahlblinkenden Milchtanks optisch nicht konkurrieren kann. „Er hat’s aber in sich, denn er trocknet etwa eine Million Kilogramm Magermilch am Tag zu Pulver, vor allem für den Export oder für die Schokoladenproduktion“, verrät der Entwickler.

Servierfertige Puddinge sind Bestseller
In vier Geschäftsbereichen ist Frischli derzeit aktiv: Foodservice, Einzelhandel, Export und Industrie. Rund 700 Mitarbeiter erwirtschaften einen Jahresumsatz von fast 500 Millionen Euro. „Damit rangieren wir unter den Top 15 der Molkereien in Deutschland“, erklärt Kaja Schnell, Marketingmanagerin Foodservice. Die Marktführerposition behauptet das Unternehmen im Bereich servierfertige Puddinge mit einem Marktanteil von 43,5 Prozent. „Das sind tatsächlich Bestseller“, sagt Kaja Schnell und fasst ihre Vorteile zusammen: einfache, rationelle Handhabung, lange Haltbarkeit ohne Kühlung, innovatives Sortiment, gut transportier- und stapelbare Fünf-Kilogramm-Eimer. Neben den Klassikern, deren Rezepturen immer wieder überarbeitet werden, sorgen auch Neuheiten und saisonale Highlights in diesem Segment für ein gutes Geschäft.

Den europäischen Markt erobern
Aus der über Jahre gewachsenen und soliden Position in Deutschland heraus macht Frischli sich jetzt daran, im Foodservice den europäischen Markt stärker zu erobern. „Wir wollen in diesem Segment international wachsen“, verrät Kaja Schnell und nennt vor allem Frankreich, Großbritannien, Belgien und Spanien als interessante Märkte. Vor diesem Hintergrund bringen die Milchwerke ab September 2017 ein neues Produkt heraus, für das Kaja Schnell in Deutschland mit keiner starken Nachfrage rechnet: eine pflanzliche , vegane Schlagcreme. „Sie ist viel stabilier als Schlagsahne und wird vor allem in den warmen südeuropäischen Ländern ihre Abnehmer finden“, erwartet die Marketingmanagerin. „Bei uns werden die Küchenchefs aber vermutlich weiter zur Schlagsahne aus frischer Milch greifen. Wir bleiben ein Sahneland“, sagt sie lächelnd.

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