November, 2014

Go In GmbH

Zwischen den Stühlen: GV-kompakt schaute bei Go In hinter die Kulissen und erfuhr, wie aus einem kleinen Laden ein erfolgreiches Geschäft auf 20.000 Quadratmetern wurde.
Fotos: Go In

Rolf Brachthäuser kann es nicht lassen. Mit wachen Augen und freundlichem Lächeln auf den Lippen bewegt sich der drahtige Grauhaarige elegant und sicher zwischen all den Stühlen im Landsberger Showroom des Möbelgroßhändlers und -designers GO IN. Er erklärt, präsentiert und demonstriert Kunden das Besondere, das Einzigartige und die überzeugende Qualität der Produkte mit Sachkenntnis und Charme. Dabei könnte der Mann längst seinen wohlverdienten Ruhestand genießen. Doch seine Partnerschaft mit dem Unternehmen kennt keine Altersgrenze. Nach mehr als 30 Jahren im Vertrieb von GO IN ist er auch heute mindestens zwei Tage die Woche in der Firma tätig. Brachthäuser ist nicht der einzige langjährige Mitarbeiter. „Viele unserer Beschäftigten bleiben uns lange Zeit treu“, erzählt Vertriebsleiter Alexander Aust. Rund 150 Frauen und Männer arbeiten aktuell in der Zentrale des Unternehmens im bayerischen Landsberg am Lech, 20 weitere an Standorten weltweit komplettieren die Belegschaft.

Start mit kleinem Laden

Die Geschichte von GO IN beginnt 1972 in einem kleinen Laden in der Münchener Innenstadt. Godobert Reisenthel gründet die Firma und verkauft in seinem Geschäft ausgesuchte Kleinmöbel und Wohnaccessoires. Der Name ist eine Reminiszenz an die Studentenbewegung der 1960er Jahren, wo bei Go-in-Aktionen öffentliche oder Veranstaltungsräume buchstäblich im Sturm erobert wurden. Diese Aufbruchstimmung überträgt Reisenthel auf sein Geschäft und liegt damit goldrichtig. Denn es ist eine Zeit des Aufschwungs. Man sucht nach schönen, individuellen Dingen. Und so kann der kleine Laden über Kundschaft nicht klagen, besonders nachdem sich GO IN auf Objektmöbel für die Gastronomie spezialisiert. Vor allem die Nachfrage nach den importierten Bistrotischen und Bugholzmöbeln ist überwältigend und macht bald einen ersten Standortwechsel in größere Räumlichkeiten erforderlich. Die Firma wächst stetig, das Produktsortiment erweitert sich fortlaufend, neue Märkte werden erschlossen. 1988 wird aus der Einzelfirma die GO IN GmbH. 1998 erfolgt der Umzug zum heutigen Hauptsitz in Landsberg am Lech, rund 60 Kilometer südwestlich von München, auf ein 20.000 Quadratmeter großes Gelände mit Lagerhallen, Werkstätten und einem repräsentativen Verwaltungsgebäude. Seit dem Tod des Firmengründers Godobert Reisenthel im Jahr 2008 führt sein ältester Sohn Maurus das Unternehmen.

Neue Interpretationen

Schon seit den Anfangsjahren beschränkt sich die Firma nicht auf den Verkauf von Möbeln und Accessoires, sondern entwickelt bewährte Produkte weiter, verleiht ihnen ein neues Image. So erhalten beispielsweise die importierten klassischen Bugholzmöbel bei GO IN farbig gebeizte Oberflächen – und werden damit zum Verkaufsschlager. Als Meilenstein in der Firmenhistorie erweist sich ein für die Bedürfnisse der Gastronomie entwickeltes Baukastensystem für flexibles und extrem belastbares Mobiliar. Mitte der 1980er Jahre auf Messen gezeigt, ist das Modular-System bis heute ein Bestseller. „Am Anfang steht immer eine Gewindestange“, beschreibt Alexander Aust das Prinzip. Säulen, Füße, Platten für Tische und Hocker in unterschiedlichsten Ausführungen werden je nach Kundenwunsch ergänzt. „Damit erhält jeder sein individuelles Mobiliar für sein Gastronomiekonzept“, erklärt der Vertriebsleiter.

Eigenes und Eingekauftes

GO IN gehört heute zu den führenden, global agierenden Unternehmen für Objekteinrichtungen in Gastronomie, Hotellerie, Gemeinschaftsverpflegung und Industrie. Weltweit kauft es dafür bei ausgesuchten Herstellern entsprechende Produkte ein. Doch mit eigener Entwicklungsabteilung und Qualitätsprüfung, mit Musterbau und Werkstätten, in denen Polstermeister, Lackierer und Schreiner arbeiten, ist es weit mehr als ein Möbelgroßhändler. „Jedes unserer Produkte beginnt auf einem leeren Blatt Papier“, skizziert Marketingleiter Stefan Leonhardt die Entstehung eigener Objekte beim Gang durch die Entwicklungsabteilung. „Unsere Designer entwerfen etwas Neues, die Konstrukteure arbeiten die Idee aus, in einer kleinen Werkstatt entsteht ein Muster, ein Modell aus Hartschaum, dem der Prototyp folgt, der auf Herz und Nieren geprüft wird. Erst wenn es unsere strengen Qualitätsstandards erfüllt, kommt das Produkt zumeist in einer Vielzahl von Varianten in unseren Angebotskatalog.“

Mobiliar, das von GO IN weltweit eingekauft wird, durchläuft ebenfalls harte Produkttests. „Dabei spüren wir mögliche Schwachstellen auf, durch die das Objekt den starken Belastungen eines Gastronomiebetriebes nicht standhalten könnte“, sagt Vertriebsleiter Alexander Aust. Stolz zeigt er die firmeneigene, TÜV-zertifizierte Prüfmaschine, auf der vor allem Stühle, Hocker, Sessel etc. mehr als 100.000 Belastungstests durchlaufen. Spezielle Tests gibt es zudem für Lacke, die aufzeigen, ob das Produkt fleckresistent z. B. gegen Senf, Cola, Bier und Fette oder im Außenbereich gegen UV-Strahlen und Salzwasser ist. Bei Beanstandungen müssten die Hersteller entsprechend nacharbeiten, ansonsten käme man nicht zusammen, betont Aust.

Erster Anlaufpunkt für die meisten Kunden von GO IN ist das firmeneigene Call Center in der Landsberger Zentrale. Die Beschäftigten hier sprechen fast alle mehrere Sprachen. Sie nehmen Bestellungen, Wünsche, Reklamationen auf, beantworten Fragen, liefern Informationen. Einen Angebotsüberblick geben die Ausstellungsräume in Landsberg am Lech, Berlin, Paris und Wien sowie Fachmessen, der klassische Katalog und der Webauftritt.

Schnell zum Kunden

Dank einer immensen Lagerkapazität von allein 15.000 Palettenstellplätzen, überwiegend in modernen Hochregallagern, kann der Großhändler kurze Lieferfristen garantieren. Für den Weg der Waren zum Kunden arbeitet GO IN mit den Speditionen Schenker und Dachser zusammen. Es ist auch Selbstabholung möglich. „Im letzten Quartal des Jahres füllen wir beispielsweise unsere Lagerbestände mit Outdoormöbeln auf“, erklärt Vertriebsleiter Alexander Aust. „So können wir bei den ersten Sonnenstrahlen im März binnen einer Woche Bestellungen für Terrassenmöbel an die Gastronomen ausliefern.“ In Stoßzeiten verlassen täglich bis zu 200 Sendungen die GO IN-Zentrale. Neben Schnelligkeit und Zuverlässigkeit setzt das Unternehmen auch auf Vielfalt. Mehr als 300 Materialien, Farben und Muster können zur Endveredlung eines Produktes zum Einsatz kommen. Polsterer, Lackierer und Schreiner fertigen in den Landsberger Werkstätten aus Standardmodellen ganz individuelle Möbel nach Kundenwünschen. „Meist erledigen unserer versierten Mitarbeiter diese Aufträge binnen acht Tagen“, sagt Alexander Aust.

Funktional und innovativ

Im lichtdurchfluteten Showroom schließlich erklärt Marketingleiter Stefan Leonhardt, womit GO IN außerdem überzeugen will: „Unsere Produkte sind funktional, innovativ, robust, in zeitlos schönem Design und nachhaltig.“ Das Funktionale erläutert er am Beispiel eines Seitenstapeltisches, der mit einer sehr stabilen gusseisernen Kipp-Top-Lösung ausgestattet ist. Als besonders gelungene Innovation präsentiert er eine automatische (hydraulische) Höhenregulierung in Tischfüßen. „Damit hat sich‘s ausgekippelt“, sagt er schmunzelnd und verweist auf einen eigens für diese Lösung produzierten Spot. Für seinen Kollegen Alexander Aust wiederum gehören Lounger in coolen Farben zu den aktuell besonders gelungenen Produktneuheiten. „Die Sitz- und Tischelemente aus Vollschaumstoff in angesagten Farben sind mit einer speziellen Lackschicht überzogen, absolut strapazierfähig und 100 Prozent Made in Germany.“ Potential sieht Aust für diese Produkte im Mensabereich, aber auch in der Außenbestuhlung, etwa für Beachbars. Abschließend präsentiert er ein nachhaltig hergestelltes Tisch-Bank-Set für den Außenbereich. Es sieht stylisch aus, wie aus Holz gemacht, ist tatsächlich aber aus dem innovativen Material Resysta hergestellt. „Dafür muss kein Baum sein Leben lassen“, meint Aust.

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