Schulessen bald kostenlos

Gratis Essen und dessen Nebenwirkungen

Kurz vor Weihnachten stimmte das Berliner Abgeordnetenhaus (SPD, Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen) einem kostenfreien Mittagessen für alle Grundschüler in Berlin zu. Des einen Freud, des anderen Leid, könnte man nun sagen.

Spaghetti in der Schulmensa bzw. Kantine in der Schule
Schulessen in der Mensa bzw. Kantine (Fot: Pixabay)

Um besonders einkommensschwache Familien zu entlasten, hat der Berliner Senat dem kostenlosen Essen für Schüler bis einschließlich Klasse sechs ab August 2019 zugestimmt. Das Weihnachtsgeschenk an Berliner Familien soll rund 40 Millionen Euro pro Jahr kosten. So sehen es zumindest die Pläne des Senats vor. Im Gegensatz zur den voraussichtlich mehr als sieben Milliarden Euro für den BER wirkt die Summe geradezu klein. Selbst die Kritik der Oppositionsparteien FDP und CDU fällt eher verhalten aus.

Platzmangel und fehlende Räumlichkeiten

Doch der Grundschulverband und die Rektoren der Berliner Schulen stehen, nach der ersten Freude, dem Vorhaben dennoch skeptisch gegenüber. Lydia Sebold vom Grundschulverband sagte gegenüber dem Tagesspiegel: „Wo soll man den Platz hernehmen, wenn mehr Kinder als bisher essen?“. Die Zahl der Schüler hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Schon jetzt stoßen viele Schulen beim Mittagsessen an ihre Kapazitätsgrenzen.

Der Hort steht künftig allen Erst- und Zweitklässlern ohne Bedarfsprüfung zur Verfügung. Niemand vermag abzuschätzen, wie groß die Nachfrage tatsächlich sein wird und wie viele Kinder zusätzlich angemeldet werden, weil das Essen kostenlos ist, obwohl der Bedarf nicht bestünde. Rolf Hoppe vom Verband der Caterer rechnet mit einem Zuwachs von etwa 60 Prozent Kindern, die künftig am kostenlosen Schulessen teilnehmen, wie der Tagesspiegel weiter berichtet. Laut Schätzung des Senats soll der Zuwachs etwa 14 Prozent betragen. Für den Einstig ab dem kommenden Schuljahr hat man für die Monate August bis Dezember 25 Millionen Euro veranschlagt.

Qualitätssteigerungen beim Essen fraglich

Man streitet nicht nur über die Höhe des Zuwachses an kleinen Kunden, sondern auch über die Qualität des Essens. Die 25 Millionen Euro sollen unter anderem auch die Qualität des Essens der Dienstleister erhöhen – so schreibt es zumindest die verbindliche Vereinbarung im Haushalt fest. Die Grünen hatten einfügen lassen, dass „zukünftige Verträge mit den Dienstleistern auf der Grundlage höherer qualitativer Mindeststandards erfolgen müssen“. Bildungsstaatssekretär Mark Rackles von der SPD hingegen teilte dem Bildungsausschuss schriftlich mit, dass die 25 Millionen Euro nicht an eine Qualitätsverbesserung gebunden seien. Neue Cateringverträge werden allerdings frühestens 2020 abgeschlossen.

Vor allem in den Brennpunktschulen ist die Freude über das kostenlose Schulessen groß. Dennoch stellt man sich auch dort die Frage, wie viel Essen am Ende weggeworfen wird, denn was nichts kostet, besitzt keinen Wert. Auch hier muss die Politik nacharbeiten, um den tatsächlichen Bedarf zu ermitteln, so dass nicht einfach Essen von den Eltern bestellt wird, weil es sowieso umsonst ist. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Projekt nach dem Start im Sommer 2019 entwickelt.