Foodreport 2019

Gute Kantinen stärken Mitarbeiterbindung

Die Liebe zum Arbeitsplatz geht durch den Magen. Diese Tendenz ist aus dem neuen Foodreport 2019 ablesbar.

Modernes Kantinenkonzept (Bild: pixabay.com)

Der Kantine wird im Foodreport 2019 des Frankfurter Zukunftsinstituts eine umfangreiche Reportage gewidmet. Lange Zeit ging es beim Kantinenessen lediglich um eine schnelle und kostengünstige Kalorienaufnahme. So hat die Kantine auch heute noch immer nicht den besten Ruf. 

Die Kantine im Wandel

Der Foodreport 2019 zeigt, dass in Deutschland rund zehn Millionen Menschen in einer der 13.000 vorhandenen Betriebskantinen essen gehen. Allerdings sind nur ein Viertel von ihnen auch regelmäßig dort. Ganze 56 Prozent essen nie in einer Kantine. Der Kantinenplaner Sebastian Hermann gab in einem Zeit-Interview an, dass Mitarbeiter maximal fünf Euro für ein Kantinenessen ausgeben. Einige Betriebe unterstützen ihre Mitarbeiter mit einem Zuschuss für das tägliche Mittagessen in der Kantine. Der Klassiker Schnitzel mit Pommes liegt auf der Beliebtheitsskala der Gerichte ganz oben.

Kantinen mit neuem Konzept

Aber es ist auch eine Entwicklung abzulesen. Zahlreiche Kantinenbetreiber nehmen heute schon Rücksicht auf individuelle Vorlieben und Lebensmittel-Unverträglichkeiten. Im Angebot finden sich beispielsweise vegetarische, vegane oder laktosefreie Speisen. Dabei geht es aber nicht mal nur um den Geschmack, sondern auch um die Gesundheit der Mitarbeiter.

Gesundes Essen als betriebliches Gesundheitsmanagement 

Wie der Foodreport ausführt, nutzen Firmen „Corporate Catering“ immer mehr als Mittel für ein betriebliches Gesundheitsmanagement. Gekocht wird in vielen Kantinen mittlerweile frisch und mit hochwertigen Zutaten. Viele Kantinenbetreiber legen auch auf Saisonalität und Regionalität Wert. Der Hintergrund ist oftmals auch eine „Erziehung“ der Mitarbeiter bezüglich ihrer Essgewohnheiten. Die Firma Hilti in Liechtenstein nimmt diese Aufgabe sehr ernst. Hier gibt es ein Ampelsystem, Mitarbeiter, die zu gemüselastigen Gerichten greifen, erhalten einen höheren Zuschuss, als  Mitarbeiter, die sich für fleischige oder fettige Gerichte entscheiden.

Beispiele für moderne Kantinen

Der Dübelhersteller Fischerwerke verfolgt einen anderen Ansatz. Einmal im Monat wird hier vom Sternekoch Harald Wohlfahrt persönlich ein Gericht für die Mitarbeiter serviert. Bezahlen müssen die Mitarbeiter für das kulinarische Highlight gerade einmal sechs Euro. Den Rest übernimmt der Arbeitgeber per Zuschuss. Für ihn geht die Rechnung auf, denn: „Wer gut isst, arbeitet gut.“ Google bietet seinen Mitarbeitern das Essen in der Kantine komplett kostenlos an und hat seinen Fleischanteil in Burgern zum Beispiel nach und nach einfach durch Pilze ersetzt. Die Idee scheint aufzugehen. Immerhin wählen laut Foodreport inzwischen 70 Prozent der Belegschaft eher pflanzliche Kost.  Insgesamt zeigen die Beispiele, dass positive Esserlebnisse die Motivation fördern. Der Wandel der Arbeit sollte auch mit einem Wandel der Kantine einhergehen. Das Stichwort lautet „Life-Work-Blending“. Arbeit und Freizeit sind nicht mehr strikt voneinander getrennt. So wird die Betriebskantine zum Sahnehäubchen einer offenen Teamarbeit. In einer amerikanischen Studie der Cornell University hat man herausgefunden, dass regelmäßiges gemeinsames Essen als evolutionär-anthropologischer, sozialer Kitt die Zusammenarbeit verbessert.

Ambiente ebenfalls wichtig

In der Studie kam auch heraus, dass nicht nur das Angebot an Speisen einen wichtigen Wohlfühl-Unterschied für die Mitarbeiter macht. Auch das Ambiente muss stimmen und wird dementsprechend auch in vielen Betriebskantinen bedacht und angepasst.