März, 2014

Hobart GmbH

Spültechnik für die Welt: GV-kompakt schaute bei Hobart hinter die Kulissen und fragte über Standortfaktoren, Konzernbindung und Visionen ganz genau nach.
Fotos: Hobart

Ganz im Südwesten der Republik, im Dreiländereck Schweiz, Deutschland, Frankreich, zwischen Schwarzwald und Vogesen am Eingang des Kinzigtals wird Spültechnik für die Welt produziert. Auf einer Fläche von 18.000 Quadratmetern in Offenburg- Elgersweier entstehen in vier Werkshallen der Hobart GmbH mit die international modernsten und effizientesten gewerblichen Spülmaschinen für Gemeinschaftsverpflegung, Gastronomie und Hotellerie, Bäckereien und Metzgereien, Airline Catering, Marine und Industrie. Das Produktportfolio umfasst Gläser-, Untertisch-, Hauben-, Universal-, Korbdurchlauf- und Bandspülmaschinen, außerdem auch Korb- und Wagenwaschanlagen sowie Spezialanfertigungen.

Seit Jahren verfolgt das Unternehmen eine Vision. „Spülen ohne Wasser“ soll irgendwann mit den Hobart-Maschinen möglich sein. Marketingleiter David Reinhart benennt die Gründe dafür: „Wasser ist schon heute in vielen Regionen der Welt eine äußerst knappe Ressource. Sie bestimmt auch den Energie- und Chemiebedarf. Es ist der Wunsch unserer Kunden, dass unsere Technik so wenig wie möglich von allem verbraucht.“ Mario Sommer, Manager für Kommunikation und PR ergänzt: „Die Kunden verlangen innovative Lösungen, die ökologisch sinnvoll sind und ihnen einen wirtschaftlichen Mehrwert bieten. Hobart bemerkt bei Kunden ein verstärktes Kostenbewusstsein. Das treibt uns an.“ Und deshalb wird am Standort Offenburg nicht nur produziert, sondern schon immer auch intensiv geforscht. Seit 2012 hat Hobart im deutschen Werk ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum. „Hier suchen und finden kluge Köpfe das perfekte Zusammenspiel der wichtigsten Spülfaktoren – Temperatur, Zeit, Mechanik und Chemie“, beschreibt Reinhart die Aufgabe der Ingenieure. Rund 450 der 981 Mitarbeiter sind in der Produktion tätig. Gefertigt wird nicht auf Lager, sondern per Order. Schon einen Tag nach der Bestellung einer Standard-Spülmaschine ist sie versandfertig. „Einen Großteil unseres Umsatzes machen wir mit den standardisierten Maschinen, wie etwa den Hauben-, Gläserspül- und den Untertischspülmaschinen“, sagt Marketingleiter David Reinhart über das Geschäft. „Den restlichen Umsatz erwirtschaftet Hobart mit Groß- und Spezialanfertigungen bzw. Sonderwünschen.“

Die finale Endmontage in großen Stückzahlen findet an Montageplätzen in einer separaten Fertigungshalle statt. Hier führen Zweier- und Dreier-Teams die mechanischen und elektrischen Bauteile mit den in der eigenen Blechbauabteilung erstellten Maschinenkorpussen verschiedenster Spülmaschinen zusammen. Direkt angebunden an diesen Bereich wurde vor rund einem Jahr eigens für die Endmontage der Untertischspülmaschinen eine Produktionshalle errichtet, in der Fertigungs- und Montageprozesse teilweise automatisiert und hochmodern ablaufen. Die Arbeiter in der gesamten Produktion orientieren sich am Kan-Ban-Prinzip. So werden Wege deutlich optimiert und eine konstante Materialverfügbarkeit sichergestellt.

Die Bandspülmaschinen entstehen komplett in der Halle für die Großmaschinenfertigung. In der Vorproduktion werden die Chrom-Nickel- Stahl-Bleche zugeschnitten, entgratet, gebogen und geschweißt. Während den Zuschnitt eine vollautomatische Laser-Stanzmaschine übernimmt, erfolgt die Montage des Innenlebens – Motor, Boiler, Wascharme, Verdrahtungen etc. – überwiegend manuell. Nach Fertigstellung kommt ausnahmslos jede Spülmaschine auf den Prüfstand. Ist der Test bestanden, werden sie für den Versand teilweise zerlegt und verpackt, später beim Kunden montiert. Die Sonderbauhalle ist das Reich der „Riesen“. Hier fertigen Arbeiter die ganz großen Anlagen, beispielsweise Wagenwaschmaschinen oder beeindruckende Förderanlagen und komplizierte Sonderfertigungen auf Kundenwunsch. „Unsere ,Großen‘ sind ein gut sichtbarer Beweis für den Erfahrungsschatz des Unternehmens, für unsere Kernkompetenz im Blechbau und für unsere Ingenieurkunst“, beschreibt David Reinhart stolz diesen Produktionsbereich.

Basierend auf einem so grundsoliden Fundament kann Hobart die Umsetzung seiner Vision konsequent verfolgen. Aktuellster Meilenstein: Die neuen PREMAX und PROFI Bandspülmaschinen, vorgestellt im Februar 2014 auf der Stuttgarter Fachmesse Intergastra. Ausgestattet mit den Weltneuheiten twinLINE und AUTO-CLEAN punkten sie in Sachen Wirtschaftlichkeit: Die twinLINE Technologie steigert die Maschinenkapazität und verbessert die Organisationsabläufe, weil sie sperrige Tabletts zeitgleich zum üblichen Spülgut auf einem separaten Transportband reinigt. Das ermöglicht Zeiteinsparungen von bis zu 30 Prozent. Und mit AUTO-CLEAN verfügen die PREMAX FTPi und die PROFI FTNi als einzige Bandspülmaschinen am Markt über eine komplette Selbstreinigung. Mit der neuen Bandspülmaschine werden Wassereinsparungen von mehr als 65 Prozent im Vergleich zu bisherigen Spülmaschinen vor der ersten PREMAX Maschine realisiert.

GV-kompakt sprach mit Hobart-Geschäftsführer Axel Beck über Standortfaktoren, Konzerneinbindung und Visionen.

Am Standort Offenburg entwickelt und baut nicht nur Hobart exzellente Geschirrspültechnik, sondern auch ein Mitbewerber. Ist das ein Vor- oder ein Nachteil?
Ein Vorteil! Denn wir sind in einer extrem intensiven Wettbewerbssituation, allein durch die räumliche Nähe bedingt. Und Wettbewerb ist immer gut, wenn er, wie zwischen uns und unseren Mitbewerbern gesund und sachlich ausgestaltet ist. Wettbewerb ist auch immer ein Innovationstreiber.

Wie wichtig ist der Standort Deutschland für Hobart?
Extrem wichtig. Offenburg ist unser Hauptstandort in Europa. Von hier aus bedienen wir die ganze Welt mit gewerblicher Spültechnik, ausgenommen lediglich der amerikanische Markt. Und dabei wurde das Werk hier erst 1980 auf der grünen Wiese gebaut. Vor zwei Jahren konnten wir unser Forschungs- und Entwicklungszentrum einweihen, welches die komplette Spültechnikkompetenz im ITW-Konzern in Offenburg konzentriert. Vor einem Jahr konnten wir darüber hinaus eine neue Fertigungshalle in Betrieb nehmen. 13 Rekordjahre liegen hinter uns, jedes Jahr mit einer Umsatz- und Ertragssteigerung. 2014 steuern wir das nächste Rekordjahr an. Dank moderner Infrastruktur, gut ausgebildeter Leute, einem fachkundigen Ingenieurwesen und leistungsfähiger Lieferanten ist Hobart in Deutschland heute auch in der Innovation ganz vorn dabei.

Beeinflusst der wachsende Fachkräftemangel das Unternehmen hier am Standort Offenburg?
Wir spüren die Entwicklung und sind uns bewusst, dass vor allem der Mangel an Ingenieuren weiter zunehmen wird. Als Arbeitgeber konkurrieren wir besonders mit der Automobilindustrie und Firmen in den großen Städten. Aber wir gehen das Problem aktiv an. Beispielsweise beschäftigen wir gut ausgebildete Leute aus Spanien und Portugal und wir wollen mehr Frauen ins Unternehmen holen. Dafür sind spezielle Programme im Konzern angedacht, wie beispielsweise flexible Arbeitszeitmodelle, Kita-Plätze, also das Schaffen von familienfreundlichen Rahmenbedingungen.

Hobart ist eingebunden in den ITW – Illinois Tool Works Konzern. Was bedeutet das für die Firma? Welche Synergien ergeben sich damit?
Die Konzerneinbindung bringt uns viele Vorteile. ITW ist ein international agierender, extrem erfolgreicher Konzern mit Umsatzrenditen im zweistelligen Prozentbereich. Bei der globalen Erweiterung nutzen wir die zumeist bereits vorhandenen Strukturen des Konzerns vor Ort, z. B. in Asien. Wir haben über das Tech-Center in Chicago, ein technologisches Zentrum für Grundlagenforschung, Zugang zu Wissen, zu Forschungsergebnissen. Und nicht zuletzt profitieren wir auch vom personellen Austausch im Konzern. Unsere jungen Führungskräfte sammeln dabei Auslandserfahrungen und wachsen schneller in ihre Aufgaben hinein.

Hobart hält an der Vision „Spülen ohne Wasser“ fest. Was ist so faszinierend daran?
Diese Vision spiegelt den Wunsch unserer Kunden wider. Sie wollen die Betriebskosten senken und wir entwickeln dazu die Technik, mit der das möglich wird. Das ist ein äußerst spannender Prozess bei dem uns mit der Einführung der Premax-Linie 2007 ein Quantensprung gelungen ist. Mit diesem Produkt konnten wir den Wasserverbrauch um unglaubliche 50 Prozent auf einen Schlag reduzieren. Die weltweit erste intelligente Spültechnologie Sensotronic von Hobart markierte 2009 einen weiteren Meilenstein auf dem Weg. Und es geht technisch noch viel, viel mehr. Das ist ungeheuer faszinierend. Wir sind uns sicher, wenn irgendwann diese Vision vom Spülen ohne Wasser Realität wird, dass auf der Maschine Hobart stehen wird!

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