Februar, 2017

Hupfer Metallwerke GmbH & Co. KG

Handwerk und Hightech: GV-kompakt schaute bei Hupfer hinter die Kulissen und erfuhr, dass Kulinarik nur mit Logistik funktioniert.
Fotos: K. Reinhardt, Hupfer, K. Reinhardt, K. Reinhardt

Kulinarik funktioniert nur mit Logistik. Auf den ersten Blick eher eine Ansage als ein sexy Thema – sicher kommt es auch deshalb in Branchenausbildungen nur am Rande vor. Diese selbstbewusste Aussage stammt aus Westfalen, von denjenigen, die sich schon immer Logistik auf ihre Fahne geschrieben haben: den Hupfer Metallwerken, beheimatet in Coesfeld nahe Münster. Eine eher beschauliche Gegend, vielleicht typisch für den deutschen Mittelstand, der mit eigenen F & E-Abteilungen Neues entwickelt und bei ziemlich bodenständigen Wurzeln global unterwegs ist. Das Firmenareal erscheint riesig, rund 65.000 Quadratmeter – genauso wie das Sortiment, das von hier in über 60 Nationen weltweit in Großküchen und den Medizinsektor wandert: 5.000 Produkte, davon das Meiste Großküchentechnik, nichts davon zum Kochen, zum Spülen, zum Vorbereiten oder zum Tiefkühlen. Eben alles Logistik. Und – nomen est omen – das Meiste davon aus Metall. Wendet man sich den zwölf Produktions- und Lagerhallen zu, sieht man Edelstahl, Blech und Draht soweit das Auge reicht. Vieles wird noch an Handarbeitsarbeitsplätzen verarbeitet, das Meiste ist Hightech. Hier in den Hallen sehen wir beim Rundgang mit Geschäftsführer Manfred Pohlschmidt vorbei an den Produktionsposten die vielen, kleinen Alltagshelfer von Tischen, Regalen über Transportwagen bis hin zu technisch deutlich aufwändigeren Geräten, wie Transportbändern oder Induktionsandockstationen – alles für den gewerblichen Bereich. Das war nicht immer so, denn Unternehmensgründer Julius Hupfer hatte 1870 am Standort Zeitz in Sachsen auch den Endverbraucher im Blick. Weltneuheiten, wie der Kartoffelkorb aus Draht, waren zwischenzeitlich echte Renner auf den Wochenmärkten. Standorte, Sortiment und Zielgruppe wandelten sich – eines aber blieb, auch als Kunststoff den Markt eroberte: der Hauptwerkstoff Metall, heute meist Edelstahl. Um weder den teuren Rohstoff zu verschwenden noch das Küchenpersonal mit zu schweren Geräten zu belasten, werden heute materialoptimierte Blechstärken eingesetzt. „Das ist der Trend: So viel wie nötig, so wenig wie möglich einsetzen, um leichte Geräte zu erhalten, die sich gut handhaben lassen – und natürlich auch um Ressourcen einzusparen“, berichtet Manfred Pohlschmidt. Eine exakte Planung, bevor Bauteile automatisch mittels Laserschneidemaschinen aus den Blechen geschnitten werden, minimiert den Verschnitt. Viele der Produktionsschritte werden sowohl manuell als auch vollautomatisch durchgeführt. „Am Ende bestimmt die Anzahl der zu fertigenden Teile, ob sich eine Maschine rechnet. Allein die Vorrichtungen, in die Bleche eingelegt werden, können bis zu 60.000 Euro kosten.“

Was hier in der Produktion entsteht, entstammt der eigenen Entwicklungs- und Konstruktionsabteilung, die an CAD-Arbeitsplätzen entwirft und designt – auch für andere Hersteller, für die Hupfer entwickelt und produziert, etwa Tabletttransportwagen mit verschiedenen Heizsystemen. Stolz ist man auf die Vielzahl an Patenten und Schutzrechten. „Das sichert unsere Arbeitsplätze – die Schnellen fressen die Langsamen“, so Pohlschmidt. Besonders Freude macht den Coesfeldern das Isoboxprogramm, das mit dem Innovationspreis der Intergastra 2014 ausgezeichnet und kürzlich erweitert wurde.

Sexy: überall mitmischen

Eine Rarität in der Branche, die dem Besucher zunächst das Fragezeichen auf die Stirn treibt, liegt genau gegenüber den Hallen – die eigene Hupfer- Schulungsküche. Sie ist voll ausgestattet mit modernster Technik, dem was der Markt aktuell bietet, aus allen Bereichen einer Profiküche: Vorbereiten, Thermik, Spülen, Trockenlager, Chiller, Kühllager, dazu Regenerieren mit Induktion oder Kontaktwärme. Der Schulungsbereich wird nicht nur von Hupfer-Kunden genutzt, er steht allen Partnern des Netzwerk Culinaria für Workshops und Fortbildungen offen. Moderne Technik von MKN, Meiko, Cool Compact oder Melitta ist in den unterschiedlichen Bereichen zu finden. Unternehmen, wie Nestlé Professional oder Awenko, unterstützen hier und sind in Workshops anzutreffen. Stellt sich die Frage: Wozu dieses Engagement, wenn man doch eigentlich „nur“ in Logistik unterwegs ist? Die Antwort erklärt, warum Logistik dann doch sexy sein kann: „Wir mischen ja überall mit – die Küchenlogistik verbindet alle Bereiche einer Küche. Sie schafft, nicht nur über die richtigen Temperaturen, die Basis dafür, dass die Kulinarik des Kochs nicht unterwegs verloren geht, sondern gut ankommt.“ Die Schulungsküche dient auch als interne Experimentierstube, eine Art Prüfstation, unter der Leitung eines ausgewiesenen Fachmannes bei Hupfer, Küchenmeister Thomas B. Hertach (vgl. auch „Köpfe der Branche“ in GV-kompakt 11/2015), im Ehrenamt Leiter Netzwerk Culinaria. Eine klassische Aufgabe hier: Krankenhaus A kommt mit Tiefkühlkost von Hersteller B, nutzt Geschirr von C und die Cloche von D. Mit welcherRegeneriertechnik und welchem Regenerierprogramm lässt sich das am besten lösen? Eine Aufgabe, die schon mal Monate an Tests benötigt. „Damit es richtig gut und individuell passend ist, münden unsere Lösungen auch manchmal in Sonderanfertigungen für Kunden“, erklärt Manfred Pohlschmidt. Logistik hat heute an Bedeutung gewonnen, sowohl die für Prozesse inhouse als auch die außer Haus. Viele Branchentrends funktionieren nicht ohne eine veränderte moderne Logistik, so Pohlschmidt. Küchen werden kleiner, eine effiziente Lagerhaltung, etwa durch Schieberegale wie sie beispielsweise Fluggesellschaften nutzen, kann das gut unterstützen. Und: „Durch den Bau vermehrter Zentralküchen sind die Anforderungen an die mobilen Techniken zum Warm- oder Kalthalten generell gestiegen“, so der Geschäftsführer. Der Spezialist für Küchenlogistik ist demnach gefragt, wenn es um die Systemlösungen von Küchen geht. Das fließt auch in die Konzepte und in den Bau von Speiseausgaben ein, die sich in den letzten Jahren vom reinen Ausgeben zu Orten mit Produktionsaufgaben gewandelt haben, Stichwort offene Küchen und Frontcooking. Das Geschäft der Speiseausgaben erfolgt durch den im Sauerland ansässigen Hupfer-Unternehmensteil Rüther. Was in der Logistik vor Ort umgesetzt wird, entscheiden auch die kulturellen Gegebenheiten. So sei es ein Unterschied, ob einmal oder – wie in Frankreich – zweimal am Tag warm gegessen werde. Viele erwarten zudem heute ein 24/7-Angebot – bei Hupfer entstehen gerade neue Konzepte mit bewährten Techniken, die das ermöglichen. Die Induktionstechnik, deren Fortentwicklung Hupfer seit Jahren betreibt, schaffe, so Pohlschmidt, auf der Regenerierenseite beste Voraussetzung zum Entkoppeln. Ein System, das auch in der hauseigenen Kantine eingesetzt wird: Tiefkühlkost in Verbindung mit Induktion als schonendster Art des Regenerierens.

Investitionen in Nachwuchs und Nachhaltigkeit

Hupfer plädiert nicht nur für energiesparende Techniken, wie Induktion. Die Coesfelder bieten alle Verfahren an: Sie engagieren sich auch innerbetrieblich für mehr Umweltschutz und nachhaltiges Wirtschaften. Seit 2011 wird ein hauseigenes Blockheizkraftwerk genutzt. Eine besondere Art, Mitarbeiter für energiesparendes Verhalten am Arbeitsplatz zu sensibilisieren, ist die monetäre Beteiligung an den energetischen Einsparungen: „25 Prozent der Einsparung haben wir an die Mitarbeiter ausgeschüttet“, berichtet Pohlschmidt. Dahinter verbirgt sich eine Energiemenge, mit der sich 110 Haushalte mit elektrischer Energie versorgen ließen. Die hohe Auszubildendenquote um die zehn Prozent gibt es nicht erst seit Auftreten des Fachkräftemangels. Hupfer setzt seit jeher auf eigenen Nachwuchs. Von den rund 400 Mitarbeitern am Stammsitz in Coesfeld sind derzeit 35 Auszubildende. Mit den insgesamt weltweit 550 Mitarbeitern erzielte Hupfer im Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr 65 Millionen Euro Umsatz. Und das Ziel? Mittelfristig möchte man die Expansion weiter stabilisieren, so Pohlschmidt. Kurzfristig ist man auf ein neues Systemkonzept für die Versorgung rund um die Uhr am Arbeitsplatz fokussiert. Man darf gespannt sein.

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