Kindertagesstätte

Keine Zuzahlung, kein Nachtisch

Eine Berliner Kita verlangt von den Eltern eine monatliche Zuzahlung von 120 Euro. Zahlen sie diese nicht, gibt es für die Kinder kein Frühstück, keinen Nachtisch und keine Ausflüge mehr.

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Die Eltern erhielten von der Kita ein Schreiben, in dem ihnen mit Konsequenzen für ihre Kinder gedroht wird, sollten sie den Betrag nicht zahlen. Kinder von zahlungsunwilligen Eltern würden in einer Gruppe untergebracht, die keinen eigenen Raum mehr habe. Sie würden „im Sportraum oder in der Bibliothek“ betreut werden. Dies sei allerdings auch nicht gewährleistet, sollten die beiden Erzieher krankheitsbedingt ausfallen. In solch einem Fall gäbe es niemanden, der sie vertreten könnte. Die Kinder könnten dann gar nicht betreut werden.

Zwei-Klassen-Betreuung

Darüber hinaus werde das Essen für diese Kinder nicht mehr frisch zubereitet. Im Gegensatz zu den übrigen Kindern würden sie anderen „weder Frühstück, noch Nachtisch, Vesper und Nachmittagssnack“ bekommen, heißt es in dem Brief. Das Geschirr wird zudem nicht mehr vom Küchenpersonal weggeräumt oder abgewaschen. Handtücher, Zahnputzbecher oder Taschentücher würden auch nur noch den Kindern der zahlungsbereiten Eltern zur Verfügung stehen. Musik- und Sportkurse durch qualifizierte Lehrer wären auch nur ihnen vorbehalten.

Dem Schreiben zufolge sollen die 120 Euro ein monatlicher Mitgliedsbeitrag für einen neuen, „gemeinnützigen“ Förderverein der Kita sein. Unterschrieben wurde der Brief jedoch von der Kitaleitung und der Geschäftsführerin. Üblicherweise wird ein Förderverein von Eltern geführt.

Kita muss mit Konsequenzen rechnen

Die Senatsbildungsverwaltung kritisierte die Vorgehensweise der Kita. Es sei nicht akzeptabel. Es dürfe nicht davon abhängen, ob Eltern Mitglied in einem Förderverein sind, wie ihre Kinder in der Kindertagesstätte behandelt werden. Eine Mitgliedschaft im Förderverein sei immer freiwillig. „Es dürfen den Eltern, die sich nicht beteiligen, keine Nachteile entstehen. Das ist eine Zwei-Klassen-Gesellschaft“, sagte die Sprecherin der Senatsbildungsverwaltung Iris Brennberger der WELT.

Mittlerweile befasst sich die Kita-Aufsicht der Berliner Senatsverwaltung mit dem Fall. Geplant ist ein Gespräch mit der Kita-Leitung. Man hält auch Sanktionen für denkbar. Die öffentliche Finanzierung könnte der Kita beispielsweise gekürzt werden. Schlimmstenfalls könnte der Einrichtung auch die Betriebserlaubnis entzogen werden.