Lebensmittelrettung

Normabweichendes Gemüse online bestellen

Das Berliner Start-up Querfeld verkauft auf seiner Online-Plattform Obst und Gemüse, das bereits bei der Ernte aussortiert wurde, da es optisch nicht den Vorstellungen des Handels entsprach.  

Querfeld rettet nicht normgerechtes Obst und Gemüse (Foto: pixabay)

 

Die sogenannte EU-Gurkenverordnung regelte bis 2009 unter anderem, dass eine Gurke der Handelsklasse „extra“ auf zehn Zentimeter Länge maximal zehn Millimeter gekrümmt sein darf. Einigen Großhändlern halten sich auch heute noch an diese Normung.

Das Start-up hat es sich zum Ziel gesetzt, mit der neuen Plattform Lebensmittelabfälle durch den Verkauf von nicht normgerechtem Obst und Gemüse zu verringern. Los geht es mit Berlin und München. Hier sollen zunächst Einrichtungen der Außer-Haus-Verpflegung versorgt werden. Zum späteren Zeitpunkt soll das Netzwerk bundesweit ausgebaut werden.

 „Während des Projektes sollen 200 Tonnen Obst und Gemüse gerettet werden, davon mindestens 90 Tonnen über die Plattform", sagt Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die das Projekt fachlich und finanziell mit rund 266.000 Euro fördert.

Nicht normgerechtes Gemüse wird aussortiert oder weggeworfen

„Fast ein Drittel einer Obst- und Gemüseproduktion bleibe Schätzungen zufolge auf dem Feld liegen, obwohl es sich rein qualitativ betrachtet um einwandfreie Ware handelt“, erklärt Bonde. 

„Zu groß, zu klein, zu knubbelig –- des Aussehens wegen wird nicht normgerechtes Obst und Gemüse aussortiert und liegengelassen oder gar weggeworfen. Das Aussortieren beispielsweise nach Unter-/Übergröße, Vernarbung, Verformungen oder Hagelschäden führt zu einer enormen Ressourcenverschwendung. Qualitativ handelt es sich um einwandfreie Ware, die bisher entsorgt statt konsumiert wird", ergänzt er.

Kampf gegen Lebensmittelverschwendung

Querfeld sammelt seit zwei Jahren Erfahrungen hinsichtlich des Belieferns von etwa Kantinen, Caterern und Mensen in Berlin und München, wobei die Bestellungen bisher telefonisch oder per E-Mail eingingen, erläutert Frederic Goldkorn, Mitgründer des Start-ups. Bereits über 70 Tonnen nicht normgerechtes Obst und Gemüse wurden konnten eigenen Angaben zufolge unter Einbezug von 30 deutschen, mindestens nach dem Standard der EU-Bio-Richtlinien zertifizierten Betrieben, und 80 Kunden ausgeliefert werden können, betont Goldkorn. An den beiden Standorten in Berlin und München rette man wöchentlich zweieinhalb Tonnen Obst und Gemüse, ergänzt er.

Durch die digitale Plattform möchte das Start-up seine Arbeit professionalisieren und weitere Standorte dazugewinnen. Große Dienstleistungsunternehmen in Catering, Gastronomie und Servicemanagement, wie das zweitgrößte Catering-Unternehmen in Deutschland, Aramark (Neu-Isenburg), wollten immer mehr Betriebsrestaurants anbinden.

Querfeld will international agieren

Künftig sollen Bio-Landwirte aus ganz Deutschland, später sogar in Frankreich, den Niederlanden, in Italien, Österreich, Polen und Spanien, ihre überschüssigen Produkte in Echtzeit anbieten können.

Bestellungen, die über die Plattform getätigt werden, sollen innerhalb von 48 Stunden (national) bzw. 72 bis 96 Stunden (international) abgewickelt werden. Nach erfolgreicher Einführung in Berlin und München sollen Kommunen in Hessen und Nordrhein-Westfalen sowie Hamburg dazukommen. Mindestpreise verhindern das Zustandekommen von Preisdumping. Logistikdienstleiter führen Qualitätskontrollen nach von Querfeld definierten Anforderungen der Ware durch.