Seniorenverpflegung

Spagat zwischen Genuss und Mangelernährung

In Nordrhein-Westfalen traf sich die frischli-Expertenrunde im Alten- und Pflegeheim St. Anna in Dorsten und diskutierte Lösungen für die moderne Seniorenverpflegung.

Workshop in Dorsten
Workshop in Dorsten (Foto: frischli)

Führungskräfte und Mitarbeiter von Senioreneinrichtungen in Nordrhein-Westfalen sprachen über die besonderen Bedürfnisse und Anforderungen älterer Menschen und wie man diese besser bedienen könnte. Man kam zu dem Ergebnis, dass trotz häufiger gesundheitlicher Beeinträchtigungen wie Kau- oder Schluckbeschwerden und möglicher Mangelernährung, der Genuss und die appetitliche Präsentation der Speisen nicht auf der Strecke bleiben dürfen.

„Protein ist das Koffein des Alters.“, erklärte Moderator Herbert Thill bei der Expertenrunde der frischli Milchwerke und machte deutlich, worauf es bei einer modernen Seniorenverpflegung ankommt. Wie kann mögliche Mangelernährung mit einer genussreichen, seniorengerechten Mahlzeit in Einklang gebracht werden?

Diese Frage galt es u. a. zu beantworten. „Die Mangelernährung per se können wir natürlich nicht beheben“, so der Leiter der frischli Milchwerke, Volker Kohrs. „Aber als verantwortungsbewusster Anbieter von hochwertigen Molkereiprodukten möchten wir unser Quäntchen dazu beitragen, um die Situation zu verbessern – nicht nur in Form von Produktlösungen, sondern auch mit konkreten Hilfestellungen für die Praxis.“, so Kohrs weiter. „Je besser wir wissen, was Senioren brauchen und was sie sich wünschen, desto besser können wir unsere Partner in der Gemeinschaftsverpflegung unterstützen“, fügte Ralf Böttcher, frischli-Gebietsverkaufsleiter Verwender NRW, ergänzend hinzu.

Experte zeigt Lösungen

Herbert Thill, Mitbegründer von Smoothfood und Experte für Seniorengastronomie, konnte durch seine Erfahrungen reichlich Input liefern und erklärte, dass Einrichtungen passierte oder pürierte Speisen nur nach Bedarf mit den notwendigen Nährstoffen anreichern sollten, damit ein möglicherweise vorliegender Mangel gezielt behandelt werden kann. Geschickte Kombinationen natürlicher Lebensmitteln sind der beste Weg, eine Mangelernährung zu verhindern. Milchprodukte wie Joghurt bieten sich als Zwischenmahlzeit oder Dessert an. Haferflocken, Haferkleie und Früchte lassen sich mit Milchprodukten zu einem vollwertigen Trinkmüsli-Frühstück kombinieren, das sich auch für Senioren mit Schluck- und Kaubeschwerden eignet.

Die Teilnehmer der Expertenrunde verkosteten das von Herbert Hill empfohlene Trinkmüsli und Hirsebällchen, die als Fingerfood gereicht wurden. Mit wenig Aufwand lassen sich kreative Gerichte für Senioren zaubern, bei denen der Genuss im Vordergrund steht und die gleichzeitig einer Mangelernährung vorbeugen oder eine vorliegende berücksichtigen. Gemeinsam sammelte man weitere Tipps für die Praxis.

Mangelernährung – brisantes Thema

Der Kongress Ernährung 2018 in Kassel zeigte, dass in vielen stationären Senioreneinrichtungen Mangelernährung ein großes Thema ist. Etwa jeder vierte Patient kommt mangelernährt ins Krankenhaus. Der Pflegebereich für Senioren muss sich dieser Problematik stellen. Ältere Menschen benötigen vor allem eine hohe Nährstoffdichte, da sich die Verzehrmenge der Lebensmittel mit zunehmendem Alter verringert.

Proteinreiche Speisen helfen vorbeugend oder wirken ergänzend. Hochwertige Milchprodukte oder die Anreicherung mit Nährstoffkonzentraten können helfen. Eine ausreichende Nährstoffversorgung kann durch Kau- oder Schluckbeschwerden aber auch durch schlecht sitzende Zahnprothesen verhindert werden. Demenz und Depressionen gelten ebenfalls als Ursache für eine Mangelernährung.