Achtung bei Feinkostsalaten

Ein Drittel aller Proben mangelhaft

Auch Fleischsalat kann mit Keimen belastet sein
Man findet sie auf jedem Buffet: Fleischsalat, Geflügelsalat, Heringssalat und Kartoffelsalat. Eine Untersuchung ergab jetzt große Mängel bei  Kennzeichnung und deklarierten Inhalten. Ekelerregend und vor allen Dingen gesundheitsgefährdend ist jedoch die Belastung mit krankmachenden Keimen.  

Schimmel und Darmbakterien

  Die Untersuchung ergab, das die mikrobiologische Beschaffenheit von 30 Prozent der 99 untersuchten Proben auffällig war. So wurden erhöhte Gehalte an aeroben mesophilen Keimen, Enterobacteriaceae, Hefen und Schimmelpilzen nachgewiesen. Das Vorkommen dieser Keime weist auf schlechte Ausgangsprodukte, unsaubere Produktion, unsachgemäßige Lagerung oder schlechte Rohmaterialien hin.   Ein Thunfischsalat war aufgrund sehr hoher Gehalte an Enterobacteriaceae und coliformer Keime für den Verzehr sogar ungeeignet. Darmbakterien können Durchfallerkrankungen verursachen. Auf Grund der festgestellten mikrobiologischen Beschaffenheit müssen fünf Salate anscheinend unter unhygienischen Bedingungen hergestellt worden sein.  

Klassische Feinkostsalate betroffen

  Die 423 Proben wurden 2016 geprüft und stammen aus industrieller Produktion und kleineren Betrieben wie beispielsweise Fleischereien und Lebensmittelmärkten, die Salate als lose Ware oder abgepackt anbieten.    Die Tester untersuchten die klassischen Salate wie Fleischsalat, Geflügelsalat, Heringssalat, Thunfischsalat und Kartoffelsalat. Auch Salate mit verschiedenen anderen Zutaten wie z. B. Eiern, Käse, Nudeln, Bulgur und Gemüsen wie Zucchini, Auberginen, Karotten, Gurken waren vertreten. Außerdem wurden Obstsalate sowie diverse Obst- und Salatmischungen untersucht.  

Wurstsalat ohne Wurst, dafür Hering im Matjessalat

Die Proben wurden auch auf ihre Kennzeichnung untersucht. Dabei mussten 27 Prozent der Erzeugnisse beanstandet bzw. bemängelt werden. Am häufigsten waren Allergene nicht oder unvollständig gekennzeichnet, das Zutatenverzeichnis war fehlerhaft, die Nährwertangaben nicht in tabellarischer Form oder sogar unleserlich.

Die Lebensmittelorganisation Foodwatch kritisiert seit langem die mangelhafte Kennzeichnung von Lebensmitteln und fordert eine größere Schrift auf Verpackungen. In der EU ist eine Mindestschriftgröße von 1,2 Millimeter vorgeschrieben, auf kleinen Verpackungen dürfen die Texte sogar nur in 0,9-Millimeter-kleinem Font gedruckt werden.

In einer Probe Wurstsalat wurde der geforderte Wurstanteil deutlich unterschritten. Nach den Leitsätzen des deutschen Lebensmittelbuches muss mindestens 50 Prozent Wurst enthalten sein, damit er sich Wurstsalat nennen darf. Die Lebensmittelwächter fanden in einem Matjessalat keinen Matjes, sondern gesäuerte Heringsfilets. In drei Fällen wurde der deklarierte Fettgehalt nicht eingehalten.

Als Fazit stellten die beteiligten Ämter fest, dass bei Feinkostsalaten die Herstellung und Lagerung besonders sensibel ist. Die vorgeschriebene Zusammensetzung wurde in der Regel eingehalten, aber die Kennzeichung nicht industriell hergestellter Ware war oft mangelhaft. Bei lose abgegebener Ware fehlte oft die Angabe über verwendete Zusatzstoffe.

Beteiligt an der Untersuchung waren

  • Lebensmittel- und Veterinärinstitut Braunschweig/Hannover 
  • Institut für Fische und Fischereierzeugnisse in Cuxhaven des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) 
  • Landesuntersuchungsamt für Chemie, Hygiene und Veterinärmedizin Bremen